Stadtführung Brugg 
Freitag, 2. 9.2022

«Brugg les bains»  versus  «Döttingen les vins»

 

(sw) Niemand geringerer als der ehemalige Stadtpräsident Rolf Alder begrüsste nach einer feinen Stärkung im Stadtklatsch-Café die illustre Frauenbundschar und nahm sie sogleich mit auf einen gemütlichen Nachmittagsspaziergang durch sein „Brugg les bains“ - wie er es charmant nennt.

 

Ihren Namen und Ursprung verdankt die Stadt Brugg einer wichtigen Brücke, die von jeher mit der besonders schmalen Aarestelle zur Überquerung einlud. Zum Einzugsgebiet des Legionslagers Vindonissa gehörend erhielt Brugg nach dem Marktrecht 1284 das Stadtrecht durch König Rudolf von Habsburg.

Bald wehte aber nach der Eroberung durch die Berner ein anderer Wind im Aarestädtchen. Die Lateinschule blühte auf. Allerdings war der Zugang nur ganz klugen Jungen vorbehalten. Nach 16 Jahren hervorragender Ausbildung entsandte man sie nach Bern, wo sie Schreiber oder Pfarrherren wurden. Auf diesen Umstand geht auch Bruggs Ruf als „Prophetenstadt“ zurück.

Bei der Unteren Hofstatt angekommen liess die Wettbewerbsfrage betreffend Fassungsvermögen des 2m tiefen Löschwasserreservebrunnens einige zu rechnen beginnen. Noch blieb für die Schätzung etwas Zeit!

Vis à vis des bekannten Salzhauses befindet sich im Stadtmuseum ein ganz besonderes Schmuckstück: Der in dunklen Farben gehaltene Stäblisaal, der auch für Ziviltrauungen benutzt wird. Die grossformatigen Gewitter- und Sturmlandschaften, vier Selbstbildnisse und andere Darstellungen des Landschaftsmalers Adolf Stäbli ziehen einen in Bann. Was allerdings den vielen Brautpaaren wohl durch den Kopf geht, wenn sie vom bequemen Sofa aus das unmittelbar vor ihrem Blickfeld hängende Bild des Hinterteils eines Rindes auf der Weide sehen, sei dahingestellt.

Vorbei an der ehemaligen Landschreiberei und hin zum imposanten, im historischen Original renovierten Stapferschulhaus schloss Rolf Alder alsbald die Türen zum alten Rathaus auf. Dieses gliedert sich an den Schwarzen Turm, dem Wächter an der Aarebrücke aus dem 12. Jahrhundert, an.

Bis 1981 wurden Gefangene im Turm inhaftiert, ehe im Obergeschoss des Rathauses sechs neue, menschenwürdigere Zellen gebaut wurden. 2005 floh ein sich abseilender Insasse. Dumm nur, dass just zu diesem Zeitpunkt im darunterliegenden Geschoss der Stadtrat tagte!

Ausnahmslos alle nahmen den Aufstieg in den 26m hohen Turm in Angriff. Die prächtige Rundumsicht imponierte. Und schliesslich liess Rolf Alder in Sachen Fassungsvermögen des Löschwasserbrunnens endlich die Katze aus dem Sack. Nach den abgegebenen Schätzungen wurde es spannend: Zirka 41`000 Liter sollen es sein! Der Stadtführer liess es sich natürlich nicht nehmen, die drei Bestplatzierten auszuzeichnen. Plötzlich zauberte er aus seiner Tasche Bruggersteine, eine Militärschoggi und ein Pack Militärguetzli hervor.

Der Frauenbund konterte sogleich mit einem Tropfen Döttinger „amore mio“ sowie einem Festführer des Winzerfestes. Ein herzlicher Dank für die spannende, kurzweilige und ab und an mit etwas Schalk in den Augen durchgeführte, interessante Stadtführung rundete den gelungenen Anlass ab.

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